Und wieder schlagen die Wellen hoch. Die häufigste Überschrift lautet: DRM Chaos. Tatsächlich scheint die Ursache, dass in einigen Kinos der Film Avatar von James Cameron nicht in 3D gezeigt werden konnte, daran gelegen zu haben, dass die Festplatte, auf denen der Film geliefert wird, nicht entschlüsselt werden konnte. Der Filmverleih hatte wohl einfach aufgrund einer Datenpanne die falschen Schlüssel geliefert. Zudem ist es dann wohl in der kurzen Zeit nicht mehr gelungen, dieses Problem zu beheben.
Das alles ist natürlich mehr als peinlich, hat aber mit dem DRM (häufige Übersetzung: digitales Restriktions Management) an sich überhaupt nichts zu tun. Irgendjemand in der logistischen Kette hat wohl einfach Mist gebaut.
Und unsere lieben Meinungsbildner im Netz, allen voran der Dinosaurier Heise Online, nutzen diese zugegebenermaßen tolle Vorlage, um DRM an den Pranger zu stellen. Natürlich funktioniert das, obwohl die Berichterstattung im Großen und Ganzen sachlich ist und auch nicht verschweigt, dass das Problem mittlerweile wohl behoben ist und die eigentliche Premiere des Films nicht belasten wird. Aber heutzutage reicht ja schon die richtige Überschrift, um die gewünschten Kommentare los zu treten.
Seit 14 Jahren soll James Cameron ja wohl an seinem Werk gebastelt haben – und jetzt dies. Es erinnert mich irgendwie an jemanden in der ehemaligen DDR, der nun endlich nach vierzehnjähriger Lieferzeit seinen Trabbi bekommt. Der Mensch, der das Gefährt ausliefert, versichert glaubhaft, dass der Trabbi ein ganz wunderbares Auto ist und ganz toll fährt – aber leider hat er den falschen Schlüssel dabei, sodass er den Beweis schuldig bleiben muss. Dumm gelaufen.
Das die Leute versuchen, ihr Produkt vor unberechtigtem Zugriff zu schützen, kann ihnen wohl nicht zum Vorwurf gemacht werden. Vorwerfen lassen müssen sich viele aber, dass sie uns immer wieder insbesondere in der digitalen Welt unausgereifte Dinge zumuten. Hier mag das wohl wieder genauso gewesen sein: mögliche Fehler egal welcher Art bei der Vorpremiere wurden in Kauf genommen, um sicherzustellen, dass die eigentliche Premiere reibungslos läuft.
Dass einige Kommentatoren sich in diesem Zusammenhang die alten Zeiten der Filmrolle wieder zurück wünschen, kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein. Gerade die dies schreiben, wissen genau, dass es noch nie so einfach gewesen ist wie heute, Filmmaterial zu transportieren und vorzuführen. Wahrscheinlich haben sie parallel zum Schreiben ihres Kommentars Automaten am Werk, die Dinge aus dem Internet laden, deren Besitz und Eigentumsrecht gelinde gesagt unklar ist. Außerdem kann ich mich sehr wohl an Zeiten erinnern, in denen zur Filmpremiere Filmrollen mit Panzerwagen in die Kinos geliefert worden sind.
Meiner Meinung ist DRM richtig und notwendig. Über die Vorgehensweise zur Implementierung kann man streiten.
Dass man seine Produkte wirkungsvoll schützen und trotzdem im Markt sehr erfolgreich sein kann, beweist Apple nun schon seit Jahren. Erst mit der Kombination aus iPod und dem Musikladen iTunes und dann mit den Anwendungen für das iPhone. Auch hier hat es böses Blut und Pannen gegeben, aber der Erfolg zeigt, dass sich die Nutzer letztlich langfristig doch nur durch die Qualität des Produkts beeindrucken lassen.
Bleibt zu hoffen, dass der Film Avatar wenigstens in Sachen 3D (inhaltlich soll er ja nicht so berühmt sein) überzeugt.